Typisch für die Zeit 1943 ist der Beruf der Charlotte Gray als Krankenschwester. Aufgrund der zahlreichen Kriegsverletzten waren Einsätze in der Pflege genau so gefragt wie die Arbeiter in der Rüstungsindustrie. Wer den Film konzentriert verfolgt, kann über die gesamte Spielzeit von 121 Minuten hinweg einiges an Gesundheitstipps erfahren. Da in jener Zeit die medizinischen Mittel nur begrenzt verfügbar waren und auch oftmals die Zeit für die medizinische Notversorgung kaum geringer hätte sein können, erfährt man worauf man in Notsituationen zuerst zu achten hat. Zu der realitätsnahen Darstellung dieser Zeit gehört selbstverständlich auch die Präsentation solcher Situationen. Die Schauspieler werden mit Hilfe eines gut recherchierten Drehbuchs angewiesen, wie sie in diesen Szenen vorzugehen haben. Auch der Zuschauer erfährt somit unter welcher extremen Anspannung Ärzte und Krankenschwestern in diesen Zeiten arbeiten mussten. Trotz der engagierten Arbeit jedes einzelnen Sanitäters starben unzählige Soldaten.
Im Vergleich zu früher ist der Pflegedienst heute zwar noch immer gefragt, das Ansehen dieses Berufszweiges hat jedoch deutlich nachgelassen. Gerade hinsichtlich der Bezahlung hört man von Hilfskräften, die keinen Doktor vorweisen können, kritische Äußerungen diesbezüglich. Wie man im Film „Die Liebe der Charlotte Gray“ jedoch deutlich erkennen kann, wurde der Beruf der Krankenschwester oder der des Sanitäters nicht ausschließlich aus Kostengründen ausgeübt, sondern aus einer inneren Verpflichtung heraus. Patriotische Selbstverständlichkeit kombiniert mit dem eigenen, tiefen Bedürfnis helfen zu wollen, brachte die Menschen in diese Positionen. Gleiches galt auch für die Soldaten, die wie Peter Gregory alias Rupert Penry-Jones im Film kurzfristig wegen eines Auslandseinsatzes ihre Liebenden zu Hause verlassen mussten. Zwar wird auch in dem Film klar, dass allen Beteiligten dieser Abschied schwer fiel, er aber als Selbstverständlichkeit angenommen und akzeptiert wurde.
Die Generation dieser Zeit ist auch heute noch zugegen – entsprechend werden von Großmüttern oder anderen Verwandten die Geschichten dieser historischen Epoche weiter gegeben. Auch einige der praktischen Gesundheitstipps wurden auf diese Weise von Generation zu Generation weiterempfohlen. Das beste Beispiel ist hierfür Jod. Kaum ein Haushalt besitzt das desinfizierende Wundmittel nicht. Auch das Wissen um Kräuter und Gewürze half den Familien im Krieg sich bei Verletzungen autonom versorgen zu können und ist heute auch noch das Hobby vieler Leute. Heutzutage ist man den sensationellen Standard in Krankenhäusern gewohnt – entsprechend vergisst man fast, dass vor noch gar nicht allzu langer Zeit viele bei kleineren Verletzungen auf sich selber gestellt waren. Ein Film wie „Die Liebe der Charlotte Gray“ rüttelt für einen kurzen Moment wach und erinnert uns daran, wie gut es uns heutzutage geht.