Die Liebe der Charlotte Gray
Liebes- und Kriegsmelodram

Krieg spielen als Hobby?

Sobald man den Film gesehen hat, wird man unter Umständen einen neuen Blick auf die Realität haben. Die visuelle Aufklärung über die Verhältnisse im Krieg lässt uns erschüttern. In der modernen Welt ist das Thema Krieg zwar in den Medien dauerhaft präsent, aber wirklich miterleben muss diesen nicht jedes Land. Die zwei Themen des Filmes, Liebe und Krieg, lassen womöglich Gedankenverlagerungen hinsichtlich des eigenen Handelns zu. Die eigentlich komplizierte Beziehung zu Hause scheint im unmittelbaren Vergleich zu der Liebe der Charlotte Grey schon fast einfach. Auch in der Freizeitgestaltung kann man einige Vergleiche ziehen – das Schießen auf einen Menschen war für die meisten Soldaten schwer. Nicht freiwillig sondern aus der Situation heraus, mussten sie sich und ihr Land verteidigen.

Betrachtet man nun ein solches Hobby wie Paintball genauer, stellt man den Spaß dabei womöglich in Frage. Das Spiel inszeniert auf dem Feld eine Form des Krieges: In Mannschaften tritt man gegeneinander an und muss sich mit Farbkugeln gegenseitig treffen. Das Mittel zum Zweck ist dabei eine Waffe, die einem realen Gewehr zum verwechseln ähnlich ist, genauso wie die Filmrequisiten. Pistolen, Maschinengewehre und ähnliche Waffen werden genutzt – nur an Stelle der tödlichen Patronen sind diese mit Gelatine-Bällen gefüllt. Das Treffen des Gegenübers löst in vielen Fällen Schmerzen und sogar Hämatome aus. Verlässt man nun diesen Film und geht in sein alltägliches, eigentlich unbelastetes Leben über, wundert man sich womöglich über diese Form der Freizeitgestaltung. Das simulierte Erschießen eines Anderen macht in Anbetracht der historischen Kriegsdramen nur noch wenig Spaß. Was früher bitterer Ernst war, wird heutzutage in der Freizeit bei Paintball genutzt um sich abzulenken und Spaß zu haben.

Kritiker äußern sich schon lange zweifelhaft über dieses Spiel. Die Befürworter sehen jedoch den Schwerpunkt nicht im Erschießen des Gegners, sondern eher in der strategischen Planung auf dem Spielfeld und der nötigen körperlichen Leistung, die erbracht werden muss, um das Spielfeld als Sieger zu verlassen. Gerade bei Jugendlichen wird stark diskutiert, ob es ihnen möglich ist die Ernsthaftigkeit einer solchen Situation zu verstehen. Es sollte in keinem Fall als normal gesehen werden eine Waffe –auch wenn es sich dabei nur um ein Spielzeug handelt - auf einen Menschen zu richten. Entsprechend wurde für dieses Spiel ein Mindestalter eingeführt. Erst mit dem Erlangen der Volljährigkeit ist es auf den meisten Spielfeldern möglich auch ohne die elterliche Begleitung das scheinbare Kriegsspiel zu betreiben. Ob die Opfer des 2. Weltkrieges ebenso Spaß am modernen Trendspiel gefunden hätten, ist zu bezweifeln. Wird ein Gleichmaß zwischen Spiel und Realität geschaffen, und entstehen keine verschwommenen Grenzen in den Ansichten der Jugendlichen, kann das Spiel als solches auch gesehen werden.